Vorwort des Präsidenten

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in den vergangenen Wochen hat der Gesetzgeber (endlich) einige Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht. Zudem sind Vereinbarungen zu den Schlussabrechnungen der Corona-Wirtschaftshilfen getroffen worden, die unsere Arbeit betreffen. Aber der Reihe nach.

Am 14. März 2024 wurden in einer Sonderbesprechung der Wirtschaftsministerkonferenz wichtige Beschlüsse zu den Schlussabrechnungen der Corona-Wirtschaftshilfen getroffen, die uns hoffentlich ein wenig Arbeitserleichterung bringen. Zum einen wurde die Frist für die Einreichung der Schlussabrechnungen bis zum 30. September 2024 verlängert. Das ist insbesondere hilfreich bei denjenigen Fällen, bei denen komplexe Sachverhalte abzurechnen und noch wichtige Rechtsfragen, z. B. zum Verbund, zu klären sind, bevor die Schlussabrechnung final erstellt werden kann. Allerdings sollten wir die Fristverlängerung nicht so verstehen, dass wir uns nun in Ruhe Zeit lassen können, bis wir die Anträge bearbeiten. Bitte bleiben Sie dran und erledigen Sie die Arbeiten zeitnah. Es wurde seitens des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz deutlich signalisiert, dass dies eine letzte Verlängerung gewesen ist. Die Abgabezahlen der Schlussabrechnungen sind mittlerweile auch so angestiegen, dass wir für die letzten Nachzügler nicht im Namen des gesamten Berufsstandes eine weitere Fristverlängerung fordern könnten. Zum anderen wurde im Rahmen der Wirtschaftsministerkonferenz auch eine Verschlankung der Prozesse zugesagt. Dies muss nun auch in Kürze folgen. Hier ist wohl angedacht, bei Fördersummen im unteren fünfstelligen Bereich und bei Rückzahlungen/Nachzahlungen im unteren vierstelligen Bereich auf eine vertiefte Überprüfung der Schlussabrechnung zu verzichten. In den weiteren Prüfungen soll ein verbesserter Risikoansatz zu einer Verschlankung des Prozesses führen. Ob das so sein wird, werden wir beobachten und insbesondere prüfen, wann die Bewilligungsstellen – und insbesondere hier im Land die L-Bank – dies auch anwenden. Bereits umgesetzt ist die Verlängerung der Rückantwortfrist auf 21 Tage. Leider mussten wir dafür jahrelang argumentieren, was jetzt in kurzer Zeit umgesetzt worden ist. Weiterhin anmahnen werden wir die schleppende Bescheidpraxis. Hier liegt bundesweit die Bescheidquote etwas über 20 % der einge­reichten Schlussabrechnungspakete. Ich denke, wir alle sind froh, wenn wir das Thema von unseren Schreibtischen haben. Wir wollen nicht nochmals in ein bis zwei Jahren mit Rückfragen belästigt werden.

Das sogenannte Wachstumschancengesetz wurde am 27. März 2024 im Bundesgesetzblatt (BGBl. I 2024, Nr. 108) veröffentlicht. Aus einem kraftvollen Paket mit Maßnahmen im Umfang von über 7 Mrd. Euro ist nach zähen Verhandlungen im Vermittlungsausschuss noch ein „Paketchen“ mit 3,2 Mrd. Euro Volumen übriggeblieben. Ob es der Wirtschaft den Wachstums­impuls gibt, der angedacht war, wird man sehen. Auf jeden Fall heißt es für die Kollegen­schaft, sich in die einzelnen Regelungen, die insbesondere die Unternehmen betreffen, einzuarbeiten und diese ggf. rückwirkend in 2023 bei der Steuererklärung noch zu berück­sichtigen. Viele kleinteilige Regelungen, die zum Teil zwischen 9 Monaten und mehreren Jahren gelten sollen, müssen berücksichtigt werden. So gilt die degressive Abschreibung für bewegliche, neu angeschaffte Wirtschaftsgüter nur in der Zeit der Anschaffung zwischen dem 1. April 2024 und dem 31. Dezember 2024. Und das ist kein April-Scherz, auch wenn es so anmutet. Weitere Änderungen betreffen Abschreibungen bei Gebäuden. Und bei Neubauten kann wieder eine Sonderabschreibung nach § 7b EStG greifen. Beim Verlustabzug wird die Mindestbesteuerung etwas reduziert, was auch auf die Körperschaftsteuer durchschlägt. Unsere Dienstleister werden diese und noch viele weitere Änderungen – auch in der Renten­besteuerung – sobald die ERiC-Schnittstelle hierzu freigegeben ist, in unseren Anwendungs­programmen umsetzen. Eine weitere wichtige Neuerung ist die verpflichtende Einführung der E-Rechnung im B2B-Geschäft ab 1. Januar 2025. Ab diesem Zeitpunkt müssen alle Unternehmen für Rechnungen mit strukturierten Rechnungsdaten nach der Norm EN 16931 empfangsbereit sein. Für die Ausstellung von Rechnungen gibt es eine Erprobungsphase für alle Unternehmen bis zum 31. Dezember 2026 und für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 800.000 Euro im Jahr 2026 bis zum 31. Dezember 2027. Diese Regelung betrifft uns auch selbst, soweit wir mit unseren unternehmerischen Mandantinnen und Mandanten unsere Leistungen abrechnen. Diese Rechnungsstellung kann heute schon bei unseren Dienstleistern in den meisten Fällen erstellt werden. Das Format XRechnung, das u. a. im öffentlichen Auftragswesen bereits zum Einsatz kommt, oder das hybride ZUGFeRD-Format erfüllen bereits die Anforderungen an die E-Rechnung. Um hier einem Missverständnis vorzubeugen: Ein aus einer Papierrechnung umgewandeltes PDF, welches dann elektronisch versandt wird, ist keine E-Rechnung im gesetzlichen Sinne. Eine gesetzeskonforme E-Rechnung muss einen bestimmten strukturierten Datensatz enthalten, der elektronisch einlesbar ist. Sie kann darüber hinaus als Bild ausgedruckt oder als Datei versendet werden. Gerade die elektronische Lesbarkeit der Rechnung eröffnet uns in unseren Kanzleien ein großes Automatisierungspotential. Neben den Pflichtfeldern der Rechnung können wir mit unseren Mandantinnen und Mandanten vereinbaren, welche zusätzlichen Felder noch in dem strukturierten Datensatz befüllt werden sollen. Dieser kann dann durch das Buchführungsprogramm direkt in die Buchhaltung eingelesen werden. Dazu ist keine OCR-Erkennung mit einem Unschärfebereich notwendig, sondern die Daten werden sicher in die richtigen Konten übertragen.

Zum Schluss möchte ich Sie noch auf unsere zwei Initiativen zur Nachwuchsgewinnung hinweisen, die an den Start gehen werden oder bereits am Start sind. Ab 13. Mai 2024 startet die überregionale Fachkräfteinitiative im Steuerwesen der Bundessteuer­beraterkammer, des Deutschen Steuerberaterverbandes e. V. und der DATEV eG (siehe Kammermitteilungen 1/2024 vom 1. Februar 2024, Punkt 25.). Diese ist auf fünf Jahre angelegt und soll junge Menschen mit unserem Berufsfeld und unserem Beruf vertraut machen. Die Maßnahmen werden sehr zielgruppenorientiert über die sozialen Medien erfolgen und wir werden sehen, ob wir dadurch mehr Nachfrage nach Ausbildungsplätzen bekommen. Parallel dazu laufen die regionalen Ausbildungsinitiativen (siehe u. a. Punkt 25. dieser Kammermitteilungen), die in zwei Richtungen wirken sollen. Zum einen wollen wir immer wieder die Kollegenschaft ermuntern, auszubilden, denn unser Beruf kann sich von der allgemeinen Demographie nicht abkoppeln und wird immer älter bzw. die Alterskohorten über 60 Jahre wachsen seit 20 Jahren überproportional an. Zum anderen wollen auch wir vor Ort die jungen Menschen auf Messen und in Schulen ansprechen, um sie für unseren Beruf zu begeistern. Sie können hierfür die Medien und Materialien nutzen, die die Kammer und der DSTV-BW zur Verfügung stellen. Wenden Sie sich an die Kammergeschäftsstelle oder an den DSTV-BW und/oder besuchen Sie unsere Homepages und informieren Sie sich über die vielfältigen Möglichkeiten der Unterstützung.

Es sind nicht nur in der Welt bewegte Zeiten, auch bei uns im Beruf dreht sich das Rad weiter. Gehen wir mutig mit und gestalten gemeinsam mit unserer Mandantschaft die Zukunft.

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen

StB Prof. Dr. Schramm
Präsident

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Den Mittelpunkt der Sitzung des Kammervorstandes am 14. März 2024 in Stuttgart bildeten der Bericht, die Beratung und Beschlussfassung über die Ergebnisse mehrerer Ausschüsse, die Diskussion über Energiesparmaßnahmen und weitere notwendige Instandhaltungsmaßnahmen im...

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Die Mehrheit der Steuerberater/innen hat sich bereits auf der Steuerberaterplattform registriert und das besondere elektronische Steuerberaterpostfach (beSt) aktiviert. Für die Registrierung ist der Personalausweis mit aktivierter Onlineausweisfunktion erforderlich....

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23. DWS-Gutachtendienst

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24. Nachwuchs- und Fachkräftegewinnung im steuerberatenden Beruf

Die Kammer unterstützt ihre Mitglieder mit verschiedenen Angeboten bei der Nachwuchs- und Fachkräftegewinnung: Ausbildungsplatz- und Praktikums-Börse In unseren Online-Börsen können Mitglieder Ausbildungsplätze für Steuerfachangestellte, offene Stellen für ein Duales...

25. Ausbildungsinitiative Baden-Württemberg

Um Nachwuchskräfte für die Steuerbranche zu gewinnen, hat die Kammer 2022 gemeinsam mit der Steuerberaterkammer Nordbaden, der Steuerberaterkammer Südbaden und dem Steuerberaterverband Baden-Württemberg e. V. (DSTV-BW) die „Ausbildungsinitiative Baden-Württemberg“ ins...

29. Abschlussfeier für die Absolventinnen und Absolventen der Fortbildungsprüfung zum Steuerfachwirt/zur Steuerfachwirtin sowie der Fachassistenten-Fortbildungsprüfungen Winter 2023/2024 am 21. März 2024 in Leinfelden-Echterdingen

Die Abschlussfeier für die Absolventinnen und Absolventen der diesjährigen Fortbildungsprüfungen zum Steuerfachwirt/zur Steuerfachwirtin sowie der Fachassistenten-Fortbildungsprüfungen wurde am 21. März 2024 in der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen durchgeführt....

34. Fortbildungs-Newsletter der Kammer

Mitglieder und Mitarbeiter/innen, die ihre E-Mail-Adresse für den Versand von Informationen freigegeben haben, erhalten regelmäßig per E-Mail Hinweise zu den Fortbildungsveranstaltungen der Kammer. Seit April 2024 erscheint dieser Newsletter in neuem Design. Wenn Sie...

38. DWS-Institut schreibt Wissenschaftspreis 2024 aus

Auch in diesem Jahr wird das Deutsche wissenschaftliche Institut der Steuerberater e. V. (DWS-Institut) die beste, auch praktisch relevante wissenschaftliche Arbeit, vornehmlich Dissertation, auf den Gebieten des Steuerrechts, der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre...